Kleine Auszeit vom Bildschirm: Warum gemeinsames Spielen wieder wichtiger wird

Kleine Auszeit vom Bildschirm: Warum gemeinsames Spielen wieder wichtiger wird

Das Tablet liegt auf dem Sofa, das Smartphone ist ohnehin immer griffbereit und irgendwo im Hintergrund läuft vielleicht noch der Fernseher. Digitale Medien gehören längst selbstverständlich zum Familienalltag. Das muss nichts Schlechtes sein. Trotzdem entdecken viele Eltern gerade eine erstaunlich einfache Alternative wieder: gemeinsam spielen, basteln, bauen oder einfach etwas ausprobieren. Dafür braucht es weder ein pädagogisches Konzept noch einen perfekt geplanten Nachmittag. Oft reichen ein bisschen Zeit, eine gute Idee und die Bereitschaft, sich gemeinsam darauf einzulassen.

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Gemeinsame Zeit ist mehr als bloße Beschäftigung

Wenn Kinder spielen, geht es um weit mehr als darum, die nächsten zwei Stunden irgendwie zu überbrücken. Sie probieren Rollen aus, lösen kleine Probleme, entwickeln eigene Ideen und lernen ganz nebenbei, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Besonders spannend wird es, wenn Eltern, Geschwister oder Freunde mitmachen.

Ein gemeinsamer Spielenachmittag schafft etwas, das sich im durchgetakteten Alltag manchmal nur schwer herstellen lässt: Aufmerksamkeit füreinander. Plötzlich wird darüber diskutiert, ob die selbst gebaute Murmelbahn wirklich funktionieren kann oder warum Papa beim Memory schon wieder verloren hat. Solche Situationen mögen unspektakulär wirken, bleiben aber häufig länger in Erinnerung als ein perfekt organisierter Familienausflug.

Dabei muss nicht jedes Spiel einen erkennbaren Lerneffekt haben. Kinder dürfen spielen, weil Spielen Spaß macht. Dass dabei Kreativität, Konzentration, Geschicklichkeit oder soziale Fähigkeiten trainiert werden, ist eher ein angenehmer Nebeneffekt.

Warum Langeweile manchmal sogar hilfreich ist

„Mir ist langweilig!“ Dieser Satz dürfte in vielen Familien ungefähr so beliebt sein wie die Ankündigung, dass am nächsten Morgen die Schule ausfällt, während beide Eltern arbeiten müssen. Der erste Impuls besteht deshalb oft darin, möglichst schnell für Unterhaltung zu sorgen.

Doch ein wenig Langeweile kann durchaus produktiv sein. Wer nicht sofort ein fertiges Unterhaltungsprogramm serviert bekommt, muss selbst überlegen, was sich mit der freien Zeit anfangen lässt. Aus einem Karton wird plötzlich ein Raumschiff, aus Decken entsteht eine Höhle und aus ein paar Figuren entwickelt sich eine Geschichte, die deutlich komplizierter ist als so manche Fernsehserie.

Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen Konsum und eigenem Gestalten. Digitale Unterhaltung liefert Bilder, Geräusche und Geschichten meist fertig ins Haus. Beim freien Spiel müssen Kinder selbst aktiv werden. Sie entscheiden, was passiert, verändern Regeln und erfinden Lösungen, wenn etwas nicht funktioniert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Eltern ihre Kinder künftig demonstrativ langweilen lassen sollten. Es kann aber helfen, nicht jede freie Minute sofort mit einem Programm zu füllen.

Spielen, basteln, ausprobieren: Hauptsache gemeinsam

Was einen gelungenen Familiennachmittag ausmacht, hängt stark vom Alter und von den Interessen der Kinder ab. Während jüngere Kinder vielleicht begeistert bauen, malen oder einfache Rollenspiele erfinden, möchten ältere Kinder möglicherweise experimentieren, kniffligere Gesellschaftsspiele ausprobieren oder gemeinsam etwas herstellen.

Entsprechend unterschiedlich können geeignete Spiele und Beschäftigungen für Kinder ausfallen. Entscheidend ist weniger, was gerade besonders angesagt ist, sondern ob die Aktivität zum Entwicklungsstand und vor allem zu den Interessen des Kindes passt.

Auch Erwachsene dürfen sich dabei von der Vorstellung verabschieden, ständig etwas Außergewöhnliches bieten zu müssen. Ein gemeinsames Puzzle kann genauso funktionieren wie ein aufwendiges Bastelprojekt. Manchmal genügt sogar Papier und ein Stift, um ein eigenes Spiel zu erfinden.

Besonders interessant wird es, wenn Kinder selbst bestimmen dürfen, wohin sich eine Aktivität entwickelt. Wer gemeinsam eine Burg baut, muss sich schließlich nicht an die Anleitung halten. Vielleicht bekommt sie einen Hubschrauberlandeplatz, einen Dinosaurierstall oder eine Rutsche vom höchsten Turm. Aus Sicht der Architektur mag das fragwürdig sein. Aus Sicht der Fantasie ist es ziemlich perfekt.

Der Bildschirm muss dabei nicht zum Gegner werden

Sobald es um Kinder und Medien geht, wird die Diskussion schnell grundsätzlich. Dabei muss die Entscheidung gar nicht „Tablet oder Spielzeug“ lauten. Digitale Medien sind Teil der Lebenswelt von Kindern und können unterhalten, Wissen vermitteln und Kreativität fördern.

Interessanter ist deshalb die Frage nach der Balance. Wenn Bildschirmzeit eine von mehreren Freizeitmöglichkeiten bleibt, verliert sie häufig einen Teil ihrer besonderen Anziehungskraft. Neben dem Computerspiel stehen dann eben auch das Fahrrad, die Bausteine, das Kartenspiel oder das Bastelmaterial zur Auswahl.

Eltern können dabei eine wichtige Vorbildfunktion übernehmen. Wer beim gemeinsamen Spielen alle drei Minuten aufs Smartphone schaut, vermittelt schließlich eine andere Botschaft als jemand, der das Gerät für eine Weile zur Seite legt. Das gilt übrigens auch dann, wenn die berufliche E-Mail angeblich wirklich nur ganz kurz beantwortet werden muss.

Eine bildschirmfreie Stunde muss deshalb kein strenges Familienprojekt sein. Sie kann schlicht eine Verabredung sein: Jetzt machen wir etwas zusammen.

Aus kleinen Ideen entstehen oft die besten Familienmomente

Gemeinsame Freizeit wird schnell mit großen Unternehmungen verbunden. Freizeitpark, Erlebnisbad oder Wochenendausflug haben zweifellos ihren Reiz. Gute Erinnerungen benötigen allerdings nicht zwangsläufig Eintrittskarten.

Kinder erinnern sich häufig an erstaunlich alltägliche Dinge: den Abend, an dem alle zusammen ein viel zu schwieriges Spiel gespielt haben, die schiefe selbst gebaute Hütte im Wohnzimmer oder den Kuchen, der optisch vollkommen misslungen war und trotzdem hervorragend schmeckte.

Vielleicht liegt genau darin die Stärke gemeinsamer Spielzeit. Sie muss nicht perfekt sein und verfolgt kein messbares Ziel. Niemand muss anschließend nachweisen, dass Kreativität oder Feinmotorik um einen bestimmten Prozentsatz gestiegen sind.

Es reicht, wenn alle für eine Weile tatsächlich bei der Sache sind. Das Smartphone kann währenddessen ruhig auf dem Tisch liegen bleiben. Die nächste Nachricht läuft schließlich nicht weg – ein gemeinsamer Nachmittag dagegen ist irgendwann vorbei.

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